Innovative und prämierte Goldschmiedekunst aus Berlin.

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Kinetischer Schmuck

Mein rotierender Ring, inspiriert vom Werk Friedrich Beckers, hat es schon ins Berliner Kunstgewerbemuseum und auf die Journées Européennes des Métiers d’Arts in Paris geschafft. Um ihn in Bewegung zu bringen, brauchte es allerdings ein bisschen Magie.

Bewegung in der Schmuckwelt

Wenn es um mechanische Innovation und Erfindergeist geht, hat das Kunsthandwerk einiges zu bieten. Eine der interessantesten Persönlichkeiten ist mit Sicherheit Friedrich Becker, der Urvater der Bewegung (oder Kinetik) im Schmuck. Seine komplexen Konstruktionen bewegen sich fast magisch, auf unerklärliche Art und Weise – sie begeistern mich, denn nach dem ersten Eindruck sind sie wie ein Rätsel, dass es zu lösen gilt (und Becker hatte kein Interesse daran es dem Betrachter hier leicht zu machen). Vollkommen klar also, dass ich an einem Wettbewerb seiner Stiftung teilnehmen musste: Mein Beitrag sollte einerseits groß und auffällig sein, auf der anderen Seite aber auch durch filigranes und sauberes Handwerk überzeugen. Das Resultat kann sich sehen lassen:

Konstruktion und Planung

Wie funktioniert das? Die einfache Antwort: Kugellager. Gar nicht so einfach: Eins in der richtigen Größe zu bekommen. Für die winzigen Teile brauchte ich Miniaturkugellager, mit hoher Präzision und wurde nach langer Suche schließlich bei Myonic im Allgäu fündig. Die Arbeit am Ring konnte aber auch dann erst nach sehr viel Experimentieren beginnen: Mit Gewichten, Knete und Metallplättchen musste ich mich erst auf die Suche nach dem optimalen Schwerpunkt begeben, schließlich sollten die Schalen gleichmäßig kreisen. Auch für die besondere Optik war Planung nötig: Um die Illusion einer fließenden, schwerelosen Bewegung perfekt zu machen und von der winzigen Mechanik abzulenken, wählte ich glänzende, polierte Flächen. Silber war hier Mittel zum Zweck, das Funkeln und die Reflektion fängt die Aufmerksamkeit ein und verschleiert die Technik. Der Ring zieht gleichmäßig, fast magisch, seine Bahnen.

Ring auf Reise

Tatsächlich erhielt der Ring soviel Aufmerksamkeit, dass ich ihn beim Landespreis für Gestaltendes Handwerk im Berliner Kunstgewerbemuseum sowie auf den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks in Paris ausstellen durfte, unter den schönen Bögen des Viaduc des Arts, wo auch viele andere, renommierte Künstler ihre Ateliers haben. Es war spannend, die Reaktionen der Besucher zu beobachten: Drapiert auf einer Box mit entsprechender Mechanik kreiste der Ring langsam vor sich hin und zog die Blicke auf sich. Einmal auf dem Finger vermuten die meisten, dass sich die Feinheit der Bewegung nur mit Magneten bewerkstelligen lässt: “Das ist so super leichtgängig obwohl er so groß aussieht. Da hat man richtig den Eindruck, echte Handwerkskunst vor sich zu haben!” Ein großes Lob für so eine kleine Bewegung.

Blog

In meinem Blog schreibe ich über die alltäglichen und außergewöhnlichen Dinge, die mir als Goldschmied begegnen.